Life is a Highway

Sonntag, 16.09.2012

Von Monteverde holperten wir mal wieder über nicht asphaltierte Straßen bis wir den Highway Panamerica erreichten, der einmal durch das ganze Land führt. Dort war die Schotterpiste zu Ende und mit unseren Rucksäcken warteten wir am Straßenrand mitten im Nirgendwo auf den nächsten Bus nach Liberia, die Hauptstadt der Provinz Guanacaste. Dort holte uns das trocken-heiße Küstenklima ein und unsere Busabenteuer hatten vorerst ein Ende. Wir gönnten uns nämlich den Luxus eines Mietwagens der Edelmarke Daihatsu. Außer der Farbe (knallgrün) machte die Blechschüssel zwar wenig her, doch wir hatten einen Geländewagen und waren so in der Lage, selbst die abgelegensten Strände der Umgebung ungeachtet Busrouten und Straßenverhältnisse zu erreichten.

Dank Lauras wunderbarer Abuelita (Oma) konnten wir die Tage in ihrem Ferienhaus in „Playas del Coco“ wohnen. Das Haus ist riesengroß und liegt perfekt in der Nähe der kleinen Strandstadt el Coco und mehreren traumhaften Stränden in Richtung Norden und Süden. Nur ganz für uns waren wir nicht, aufgrund der längeren Nichtnutzung hatte eine Karkerlakenkleinfamilie eines der Badezimmer zu ihrem Hauptquartier auserkoren. Wir beschlossen spontan, dass uns das andere Bad genügt.

la casa el Coco town

Leider war mein Magen mit der plötzlichen Klimaumstellung in Verbindung mit dem Reisestress nicht ganz einverstanden und rebellierte dagegen auf seine eigene Weise, weshalb ich die folgenden drei Tage zu einer Salzbrezel-Diät gezwungen war. Die Unternehmungslust ließen wir uns davon trotzdem nicht ganz verderben und am Ankunftstag ging es gleich zum nahe gelegenen Playa Ocotal, wo wir ganz unkaribischen schwarzen Sand vorfanden.

Playa Ocotal im Sonnenuntergang

Tags darauf folgten wir dem Geheimtipp eines netten Herrn am Playa Hermosa und fuhren ein Stück die Berge hinauf, wo wir über drei Kilometer Schotterweg eine bildschöne abgelegene Bucht, diesmal mit weißem Sand erreichten, die wir gegen Ende des Tages ganz für uns allein hatten.

cerca de Playa Hermosa

Auf den Geschmack gekommen machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zu zwei Stränden, die ausschließlich mit Geländewagen und Vierradantrieb zu erreichen waren und wir deshalb davon ausgehen konnten, dort einen kompletten Strand für uns alleine zu haben. Der Plan ging auf und nach einer abenteuerlichen Fahrt über Straßen mit halben Meter tiefen Rillen und einer Flussdurchquerung waren wir tatsächlich ganz alleine am Meer. Einzig die Warnung vor Lagartos, nach deren Übersetzung wir wussten, dass irgendwo kleine Krokodile lauern könnten, hinderte uns am vollständigen Badegenuss.

Den letzten Tag hatten wir uns für die schönsten Strände fünfzig Kilometer in Richtung Süden aufgehoben.  Eine Abbildung von einer Riesenschildkröte auf der Landkarte brachte uns dazu, erst noch ein Stück weiter zu fahren in den Nationalpark Marino las Baulas. Unsere Hoffnung, endlich einmal Schildkröten in freier Wildbahn zu erleben wurde zwar leider enttäuscht, dafür fanden wir durch Zufall mal wieder kilometerweise weißen Sandstrand ohne eine Menschenseele vor. Der absolut einzige Nachteil an den einsamen Stränden sind die Diebesscharen, die sich Reiseführerberichten zufolge dort geradezu tummeln und nur darauf warten, unaufmerksamen Touristen an die Wertsachen zu gehen. Aufgrund der bisher fehlenden bedrohlichen Erfahrungen in Costa Rica nahmen wir die Angstmache zwar nicht mehr so ernst, hatten jedoch prinzipiell immer ein Auge auf unsere Sachen.

Wir waren also im Wasser, vielleicht fünfzig Meter entfernt von unseren Handtüchern und Taschen, als ich plötzlich ein Paar Beine zwischen den Büschen bei unserem Zeug sah. Sofort rannten wir auf die Person zu und schrien so laut wir konnten. Als wir ankamen, war ein Mann gerade den Hügel hinauf und als Max schon hinterher wollte, blieb er jedoch stehen. Ich durchsuchte schnell meine Tasche und stellte erleichtert fest, dass meine Kamera noch da war. Der Mann stand immer noch dort und fragte, was los sei. Als wir ihm die Situation erklärt und uns entschuldigt hatten, lachte er, versicherte, dass von ihm keine Gefahr ausginge und spazierte davon. Immer noch ein wenig misstrauisch durchsuchte ich meine Tasche erneut und stellte schockiert fest, dass mein Geldbeutel fehlte. Da der Mann jedoch ohne jede Eile und völlig unverdächtig über den Strand lief, schauten wir dieses Mal lieber zuerst im Auto nach, um eine weitere Blamage zu vermeiden. Tatsächlich war der Geldbeutel nur bei einer Leguan-Rettungs-Bremsung unter den Sitz gerutscht und mir fiel ein Stein vom Herzen.

Zurück unter dem Baum bei unseren Handtüchern war uns die ganze Sache ziemlich peinlich und das wurde nicht besser, als wir feststellen mussten, dass der Mann meine in den Sand gefallenen Klamotten wieder zurück über einen  Ast gehängt hatte bevor wir ihn angeschrien hatten. Mal wieder mussten wir feststellen, dass kein negativer Bericht unserer persönlichen Tico-Erfahrung gerecht wurde.

Nach einem Sonnenuntergang am Playa Flamingo erwartete uns daheim schon Lauras halbe Familie, die alle das Wochenende im Haus der Oma verbringen würden und Max bekam gleich mal eine erste Hand Erfahrung des costa-ricanischen Familienlebens. Am nächsten Morgen wurden wir noch mit einem hausgemachten Gallo-Pinto-Frühstück verköstigt, bevor ich mich endgültig verabschiedete, mir das Versprechen abnehmen ließ, auf jeden Fall wiederzukommen und wir uns schließlich auf den Weg zurück machten nach Liberia und von dort aus wieder per Bus nach San José und Cartago.

In den Nebelwäldern

Mittwoch, 12.09.2012

Der Trip nach Monteverde, genauer in die kleine Stadt Santa Elena, wo unser Hostel lag, war bei weitem der entspannteste der gesamten Reise. Die Bezeichnung Jeep-Boat-Jeep-Transportation, die wir buchten, machte uns jedoch etwas überzogene Hoffnung, denn abgeholt wurden wir von einem Minibus. Worin die Jeep-Qualitäten steckten, war uns zuerst nicht ganz klar. Nach einer halbstündigen Fahrt auf Schotterwegen jedoch vermuteten wir, dass allein die Tatsache, dass sich ein Fahrzeug darauf wagt, es schon zum Jeep auszeichnete. Wenigstens wurden wir nach einem gemütlichen Frühstück um halb neun direkt vor der Tür von Gringo Petes Hostel abgeholt.

Nach der Ankunft am Lago Arenál, den wir tags zuvor von oben betrachten durften, luden wir unsere Backpacks auf ein Boot um, dass uns auf die andere Seite brachte. Von dort aus ging es wieder im „Jeep“ weiter bis nach Monteverde, wieder direkt bis vor die Tür unserer Pensión Santa Elena. Keine unklimatisierten, vollgestopften Busse, keine vollbepackten Kilometermärsche, kein Durchfragen zum Hostel – wir konnten unseren Luxus selbst kaum glauben!

Lago Arenál

Die Pensión Santa Elena war auch ein absoluter Volltreffer auf der Liste der Hostels. Zwei farbenfrohe Gebäude, Kaffee und Taco-Frühstück inklusive, nette Leute, alle Zimmer nach außen hin und so günstig, dass wir uns sogar die zweite Zimmerkategorie mit schönerem Bett und Steindusche gönnen konnten. Das Geheimnis der IPod-Dockstation lüfteten wir leider bis zum Ende unseres Aufenthalts nicht.

unser schönstes Zimmer Max beim Taco Frühstück

Auf Empfehlung des Rezeptionisten hin machten wir uns auf eine, wie uns versprochen wurde, kleine Wanderung mit dem Ziel eines außergewöhnlichen Baums, den es sich anscheinend lohnte, anzuschauen. Soweit zur Theorie. In Wirklichkeit wanderten wir erst einmal gemütlich eine gute halbe Stunde in die falsche Richtung. Doch wir hatten ja zum Glück keine Eile und es gelang uns sogar, ein Foto des Nationalschmetterlings Morpho Azul von Costa Rica zu ergattern. Der Umstand ist jedoch etwas traurig, da das Tier verletzt war und uns somit nicht vor der Linse wegflattern konnte.

Morpho Azul Bananenstaude

Nachdem wir uns noch einige Male nach dem richtigen Weg zum berüchtigten Baum erkundigt hatten, fanden wir ihn schließlich tatsächlich, etwas versteckt im Wald. Unter anderen Umständen hätte ich vielleicht sogar zugestimmt, dass sich ein Besuch dieses lohnt, doch unglücklicherweise fing es genau in diesem Moment ein Regen an, bei dessen Anblick jeder europäische Regen vor Neid erblassen würde. Eine geschlagene Stunde standen wir beide unbeweglich unter einem Schirm, die Tasche mit der Kamera zwischen uns geklemmt. In dieser Position versuchten wir uns zentimeterweise zu den trockeneren Stellen vorzuarbeiten und sahen dabei zu, wie der Waldboden sich zu unseren Füßen in einen Fluss verwandelte. Das nächste Mal werden wir uns genauer überlegen, zu welchen Bäumen es sich zu wandern lohnt.

 Der Plan für den nächsten Tag hieß „Canopy“! Das bedeutet wo viel wie, dass man in einer Art Klettergurt an einem Stahlseil befestigt, auf verschiedenen Höhen durch und über den Nebelwald befördert wird. In der Region Monteverdes ist Canopy DIE Attraktion für alle Besucher schlechthin und das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. An zwölf „cables“ unterschiedlicher Länge hat man mal mehr, mal weniger das Gefühl über die Bäume zu fliegen. Steuern kann man die Geschwindigkeit insoweit selbst, als dass man am Stahlseil zieht, um die Fahrt abzubremsen. Das längste Seil ist das sogenannte Superman Cable, an dem man einen Kilometer hundert Meter über dem Boden in Superman Position über den Wald schwebt. Zusammenfassend kann man sagen, dass das versprochene Adrenalin zwar bei der ganzen Sache anfangs zu kurz kam und der Charme eher darin lag, dass man eine tolle Aussicht über alles von dort oben hatte.

Der Adrenalinschub, den wir die ganze Zeit über vermisst hatten, erwartete uns jedoch schließlich am Ende, als es zur Tarzan Swing ging. Von einer Plattform springt man dort vierzig Meter in die Tiefe, um dann in seinem Gurt durch die Natur zu schwingen. – Wie Tarzan eben.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon um sechs Uhr wieder auf den Weg weiter Richtung Norden und zurück zum Strand. Dieses Mal an die Pazifikküste nach Guanacaste.

Heiße Asche

Sonntag, 09.09.2012

Wenn weit und breit kein Haus mehr in Sicht ist und der Bus nur noch über eine schmale Landstraße holpert, die zu beiden Seiten von dichtestem Grün eingeschlossen ist, dann ist dass der richtige Weg zu unserer nächsten Unterkunft Pozo Azul. Das Regenwaldhotel liegt ungefähr zwei Kilometer ab der Straße mitten im Regenwald Costa Ricas.

Blick aus dem Bett in den Regenwald

Von der Straße bis zum Hotel ging es allerdings nur noch per Hotel-Geländewagen-Shuttle, da kein asphaltierter Weg weiter führt. Die Besonderheit hier ist, dass es keine Zimmer gibt, sondern nur eine Art Luxuszelte mit Bett und Bad. Hautnah am Dschungel sozusagen und nur durch ein Moskitonetz von allen Lebewesen getrennt.  Diese Nacht waren wir die einzigen Gäste und alle kümmerten sich nur um unser Wohl. Nach einer heißen Solar-Dusche wurden wir vom Hotel ins Dorf kutschiert, um dort Abend zu essen und danach auch wieder zurück. Erschöpft sanken wir nach diesem anstrengenden Tag in unsere Betten, während einige Vögel, die sich nicht vom frühen Sonnenuntergang beeindrucken ließen, uns in den Schlaf sangen. Die Geräuschkulisse des Regenwalds in unserem Zelt war einzigartig und faszinierend.

Auf unsrer Terrasse Gallo-Pinto und Co. zum Frühstück

Nachdem wir uns am nächsten Tag ausgiebig dem Costa-Ricanischen Frühstück gewidmet hatten, beschlossen wir der Empfehlung unseres Rezeptionisten zu folgen (so wie alle Angestellten an diesem Tag unsere waren) und durch den dichten Regenwald zu einem Gewässer zu spazieren, das er uns als „natürlichen Pool“ anpries. Dabei handelte es sich um eine wirklich wunderschöne Stelle am Fluss, an der uns jedoch der Regenwald nach kurzer Zeit bewies warum er seinen Namen trägt, weshalb wir eine Lösung finden mussten, damit der Badespaß nicht jäh endete (siehe Bild). 

Badespaß im Regenwald

Entspannt sahen wir dem Nachmittag entgegen, an dem uns ja nur knappe 100 km Busfahrt bevorstanden, die laut Fahrplan in nur 2 Stunden zu bewältigen war. Leider lassen sich Costa Ricanische Busfahrer nur selten vom Zeitplan beeinflussen, sodass wir ein wenig mehr Zeit benötigten um unser nächstes Ziel in La Fortuna, einer Stadt nahe des Vulkans Arenál, zu erreichen. Diese Zeit bestand nahezu aus Fahrzeit und einer merkwürdigen Unterbrechung, die uns kurz nach unserem Umstieg widerfuhr. Nachdem der Bus bis auf den letzten Platz gefüllt war, bestieg ein Mann unseren Bus. Ausgerüstet mit einigen Schokoriegeln, hielt er eine rund viertelsündige, flammende Rede, deren Inhalt auch Laura nicht so ganz erfasste. Offenbar jedoch, erzählte er Auszüge aus seiner Lebensgeschichte. Sein blaues Auge zeugte vielleicht davon, dass ein anderer Passagier eines früheren Busses weniger Geduld als die Insassen unseres Busses mitgebracht hatte.

Nachdem er endlich seine Rede beendet hatte, tauschte er seine Schokoriegel wild gegen andere, stieg dann aber ohne Schokoriegel, jedoch mit etwas Kleingeld ausgestattet aus dem Bus, der dann endlich mit knapp halbstündiger Verspätung seine Fahrt beginnen konnte.

Leider besteht eine Busstrecke hier jedoch nicht nur aus Bushaltestellen. Möchte beispielsweise ein Passagier nicht zur nahegelegenen Busstation laufen um dort auf den Bus zu warten, braucht er sich nur an eine Stelle zu stellen, die der Bus passiert um dann mit den Armen fuchtelnd den Bus zum Anhalten zu bewegen. Dies führt zu zahllosen Unterbrechungen, die unsere Reisezeit auf 4,5 Stunden schraubte, in der wir die Strecke wohl auch mit dem Fahrrad hätten bewältigen können.

Als wir unseren Zielort erreichten war es bereits kurz nach 7 und die Angestellten des Hostels hatten wohl beschlossen, da neben uns wohl niemand das Haus bewohnte ein wenig früher Feierabend zu machen. So standen wir trotz Reservierung ohne Zimmer da. Sofort zückten wir unseren tollen Lonely-Planet-Reiseführer (hier könnte auch ihre Werbung stehen!) und fanden eine saubere, einfache und unglaublich günstige Bleibe mit Blick auf den Vulkan. Nachts soll man hier in la Fortuna sogar mit ein wenig Glück glühende Lava aus dem Arenál fließen sehen, aber das verhangene Wetter machte uns leider einen Strich durch die Rechnung.

Vor Gringo Petes

 Als wir uns dort am nächsten Morgen um kurz vor 8 uns durch unseren Wecker wecken ließen, waren auf dem Gang schon einige Stimmen zu hören. Sofort ließen wir uns über Exkursionen auf den Vulkan informieren und erfuhren, dass eine solche in 10 Minuten direkt bei uns beginnen würde. Nachdem wir unsere Wanderschuhe der Marken Converse und Keds angezogen hatten, wurden wir auch schon vom Bus abgeholt, der uns an den Vulkan bringen sollte. Mit dabei unser Führer Mr Lava Lava, so sein selbstgewählter Spitzname, unser Fahrer, dem Optischen nach zu urteilen Fluchtwagenfahrer der Panzerknacker aus Entenhausen und weitere sechs Teilnehmer, die, so erzählten sie später, teilweise erst gegen 6 eine Bar verlassen hatten, um dann am nächsten Morgen um kurz vor 8 Lust auf einen Wanderausflug zu verspüren. So schwankte die Stimmung im Bus zwischen immer noch benebelt und verkatert. Dass zunächst eine Strecke durch den Regenwald zu bewältigen war, damit war eine Verkaterte nicht einverstanden, weshalb sie nach kurzer Zeit am Ende der Gruppe beschloss, sich erst die Schuhe auszuziehen und dann mitten in den Wald zu legen. Mr. Lava Lava ließ sich jedoch auch davon nicht von seinem teils makaberen Humor abbringen und so schleiften sich alle Teilnehmer bis an den Fuß des Vulkans. Dort blieben die ersten bereits zurück, während der Rest sich auf den Weg machte. Mr. Lava Lava zeigte hier trotz beachtlichen Bauchs und geringer Größe eine enorme Ausdauer und hängte nahezu alle Teilnehmer ab. Leider ist es nicht erlaubt die Spitze des Vulkans zu besteigen, da es bereits einige tödliche Vorfälle gegeben hatte, aber auch von unserem Punkt hatte man eine tolle Sicht auf den Lago Arenal, den drittgrößten See Mittelamerikas und den Vulkan selbst, wobei dieser sich immer nur etwas wolkenbehangen zeigte.

trägt die Bezeichnung Wackelbrücke zu recht Lago Arenál Volcan Arenál

Auf dem Rückweg ließen wir uns an einem Fluss rausschmeißen, an dem man sich mit einem Seil schwingend ins Wasser gleiten lassen konnte. Eine wirklich coole Sache. Dennoch wurden wir vor diesem Ort, aufgrund der häufigen Diebstähle dort, vorgewarnt und es war wirklich fast die einzige Situation im gesamten Urlaub in der wir uns etwas unwohl fühlten.

Abends stand noch der Besuch eines Hot Pots an, die es aufgrund des aktiven Vulkans in der Region massenhaft gibt. Auch dorthin ließen wir uns von unserem Hostel bringen, wobei neben uns beiden der Großteil der Angestellten des Hostels mitkam. Unser Badeort lag knapp unterhalb einer Brücke unter der sich das warme Wasser staute und wir gemütlich im Wasser den Tag ausklingen lassen konnten.

Batida im Café Lava Rocks

Nachdem sich der Vulkan am nächsten Morgen nochmal komplett wolkenfrei gezeigt hatte, machten wir uns schon wieder auf den Weg nach Santa Elena, eine Stadt inmitten der Nebelwälder des Landes.

By Max :)

Im Maul des Stiers

Donnerstag, 06.09.2012

Oh wie schön ist Panama!-  Dachte sich Janosch, nahm seine Tigerente an die Leine und zog kurzerhand los. Dasselbe dachte ich mir auch, verzichtete bei Max auf die Leine und wir machten uns auf den Weg.

Welcome to Costa Rica’s most entertaining border crossing! Mit diesen Worten wurden wir von Lonely Planet auf unsere Reise in den Süden auf die Inselgruppe Bocas del Toro in Panama vorbereitet. Wie aufregend dieser Übergang tatsächlich werden sollte, davon konnten wir uns bald mit eigenen Augen überzeugen. Der Linienbus der Karibik setzte uns in der Grenzstadt Sixaola ab, wobei man sich darüber streiten könnte, ob diese die Bezeichnung Stadt überhaupt verdient. Ein Mini-Supermarkt  (Pulpería) steht etwas verloren an einer Straße, die dort einfach endet. Weiter geht es nur zu Fuß und zwar über eine alte Eisenbahnbrücke, die die einzige Verbindung zwischen Costa Rica und Panama, an dieser Stelle getrennt durch den Río Sixaola, darstellt.

Grenzbrücke

Auf der einen Seite füllten wir ein Ausreiseformular aus und hatten innerhalb von fünf Minuten unseren Stempel erhalten, während sich der costa-ricanische Grenzbeamte angeregt mit seinem Handy unterhielt und uns kaum Beachtung schenkte. Die Wiedereinreise verlief auf dieser Seite der Brücke übrigens genauso unkompliziert, doch dass es dazu noch einmal kommen sollte, daran hatten wir zwischendurch beide ernsthaft unsere Zweifel. Der Grund dafür sind die Einreisebestimmungen auf panamaischer Seite.

Nach einem Gang über die losen Bretter der Brücke, zwischen denen teilweise Lücken waren, durch die ich locker samt Backpack durchgepasst hätte kamen wir erst gar nicht bis zum Grenzbeamten, sondern wurden schon vorher von einem Koloss aufgehalten und nach unserem Ausreiseticket aus Panama gefragt. Top vorbereitet, wie wir dachten, hielten wir ihm unsere Rückflugpapiere aus San José unter die Nase. Aber falsch gedacht. Die Papiere wiesen keinen Beweis auf, dass wir auch aus Panama wieder ausreisen würden und mürrisch schickte er uns eine Treppe hinunter zu einer Holzhütte, wo wir ein Busticket nach San José kaufen sollten. Das wir nicht nach San José wollten interessierte nicht, hier gab es nur eine Art von Busticket für 14$ und ohne das auch keine Einreiseerlaubnis. Die fehlende Uniform unseres überaus freundlichen Auskunftsgebers, sowie die Tatsache, dass ein anderer Deutscher vor uns kein Ticket kaufen musste, machte uns etwas stutzig und wir beschlossen, einen neuen Anlauf direkt beim Grenzbeamten in seinem Häuschen zu starten. Dummerweise misstraute uns der Koloss und als wir die Treppe hochstiefelten hatte er seinen Kollegen schon gewarnt, uns ohne Ticket keinen Stempel zu geben und so wurden wir, dieses Mal noch ein wenig unwirscher, wieder nach unten geschickt. An dem Ticket war das einzig offiziell Wirkende zwar nur die Tatsache, dass es nicht von Hand geschrieben war, doch wir wurden schließlich zum vermutlich nächsthöheren Beamten durchgelassen, der uns mit eiserner Miene und ohne ein Wort zu verlieren, drei Finger entgegenstreckte. Dass er uns mit dieser Geste klar machen wollte, wir müssten drei Dollar Grenzsteuer bezahlen, wurde uns relativ schnell klar und nach deren Zahlung wurde uns offiziell der Zutritt ins Land gewährt. Nach dieser ganzen undurchschaubaren Bürokratie konnten wir uns vorstellen, welche Erfahrungen Kafka gemacht haben musste, um die Inspiration für seine Romane herzubekommen.

Auf der Busfahrt an die Anlegestelle, um nach Bocas del Toro zu gelangen, war uns zuerst nicht so ganz klar, woher die Angst rührte, wir könnten ihr Land nicht mehr verlassen wollen. Riesige Müllberge waren einfach so mitten in die Natur geworfen, am Straßenrand standen Häuser aus Wellblech zusammengeschustert, die den Namen nicht verdienten und ganze Gebäude waren komplett zerfallen und liegen gelassen.

Der erste Eindruck von Panama war sicherlich kein schöner, doch als wir nach 20 Minuten Fahrt im Wassertaxi auf der Hauptinsel Isla Colon von Bocas del Toro angekommen waren, mussten wir feststellen, dass wir mit unserer voreiligen Bewertung Panama Unrecht getan hatten. Kaum standen wir mit unseren Rucksäcken auf der Hauptstraße von Bocas Town wurde uns auch schon von allen Seiten Hilfe angeboten, unser Hostel zu finden. Und diese Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen hielt auch die ganze Zeit, die wir dort verbrachten, an. Normalerweise wollen einem die Leute wenigstens was verkaufen, doch hier schien jede Auskunft und Hilfe pure Liebenswürdigkeit zu sein. Es ist unbestreitbar, dass die Panamaer zum großen Teil wesentlich ärmer sind, als die Costa-Ricaner, doch das hindert hier keinen daran, mit einem Lächeln durch die Welt zu gehen und ausländischen Reisenden mit Stolz ihr Land zu präsentieren.

Unsere Unterkunft Panamas Paradise lag fünf Minuten entfernt von Bocas Town und hier hatten sie mit ihrem Namen sicher nicht übertrieben. Die Lage war einfach perfekt, direkt am Meer und mit den kostenlosen Fahrrädern nur ein paar Minuten von der Stadt entfernt. Zu alledem kam noch hinzu, dass die niederländische Besitzerin Jenny uns erklärte, dass unser Budget-Apartment, das wir eigentlich gemietet hatten, leider im Moment umgebaut wird und ob es uns viel ausmachen würde, in ein größeres mit eigener Küche und Terrasse zu ziehen. Ähhh… nein! Wahnsinn, nach unseren Nächten in Backpackers mit geteiltem Bad und wenig benutzbarer Küche war das der pure Luxus.

Unsere Cabina

Nach einem kurzen Ausflug an den naheliegenden Strand nutzten wir die Gelegenheit sofort, uns nach all dem karibischen Essen auch mal wieder solide Spagetti mit Speck-Sahnesoße zu kochen. Der geplante Kaiserschmarrn am nächsten Abend scheiterte leider aus Mangel an Geräten, um Eischnee zu erzeugen und so wichen wir auf Pfannkuchen costa-ricanischer Art mit Kochbananen und süßen Zitronen aus. Auch nicht übel! Zum Nachtisch gab es frische Kokosnuss und im zweiten Anlauf hatten wir dank Goolges Hilfe auch den Trick raus, wie man die Milch herausbekommt, ohne gleich alles zu zerstören. Tip: Oben gibt es eine weiche Stelle, wo man ganz leicht ein Loch reinbohren und dann den Strohhalm durchstecken kann.

Spagetti! Unsere Veranda

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir mit Ausflügen an Strände auf unterschiedliche Inseln von Bocas. Zum Playa las Estrellas (Seesternstrand) war das Ganze mit einer 30 Kilometer langen Fahrradtour durch hügeliges Gelände mit Null-Gang-Fahrrädern und viel Schweiß verbunden und das andere Mal ein wenig entspannter mit einer Fahrt im Wassertaxi zum Playa de la Rana Roja (Red Frog Beach). Seesterne haben wir trotz aller Mühen leider keine gesehen, doch die kleinen roten Frösche hatten ein paar einheimische Jungs in Blättern gefangen und zeigten sie den Touristen zum Fotografieren. Ihren Geschäftssinn hatten die circa Siebenjährigen allerdings auch schon entdeckt und fragten sofort nach Geld dafür. Auf dieser Welt bekommt man eben nichts geschenkt, doch sie ließen sich von uns alternativ auch mit Keksen bezahlen.

      Rana Roja Faultier

Die Strände hier sind einer traumhafter als der andere und wenn man an karibisch weißen Sand, riesige Palmen und kristallklares türkisenes Wasser denkt, nimmt man für alles den Superlativ und hat immer noch keine Vorstellung von der Wirklichkeit.

Perfektes Karibikbild

Weniger angenehm sind allerdings leider oft die Gemüse-, Obst- und vor allem die Fleischtheken in den Supermärkten. Frische und Hygiene scheint hier eher ein Privileg und keine Regel zu sein und dementsprechend ist auch teilweise der Geruch, sodass einem da schnell mal der Appetit vergehen kann. Panama ist eben wirklich ein Dritte-Welt-Land und dass Costa Rica unter diesen Ländern eine Art Schweiz darstellt, das ist uns nach unserer zweiten Grenzüberquerung bewusst geworden.

Doch bis es dazu kam, stellte uns die panamaische Grenze erneut auf eine harte Geduldsprobe. Eineinhalb Stunden warteten wir in einer immer länger werdenden Menschenschlange auf unseren Ausreisestempel, da aufgrund eines Elektrizitätsproblems das ganze System lahm gelegt war. Nach erneuten drei Dollar Steuer durften wir sogar wieder aus dem Land raus und über die Brücke laufen, wo die Costa-Ricanische Behörde wie gewohnt eher entspannt damit umging, wer da so rüber kommt.

Damit willkommen zurück in Costa Rica und weiter ging die Reise in ein kleines Dorf namens "la Virgen de Sarapiquí" im Regenwald.

Bienvenido a la Caribe

Montag, 03.09.2012

Teatro Nacional en San José Cena im Café del Mundo

Willkommen in der Karibik! Nach einer Sightseeing Tour in San José, einem Abschlussessen mit Laura und Migue und einer Nacht im Stadthostel mit Pool sind Max und ich am Freitagmorgen bei angenehmen 23° in San José in den Bus gestiegen und viereinhalb Stunden später bei locker zehn Grad mehr in Puerto Viejo wieder aus. Die kleine Stadt mit dem bezeichnenden Namen „alter Hafen“ liegt im Süden der Atlantikküste Costa Ricas und steht im kulturellen Gegensatz zur gegenüberliegenden Pazifikküste und dem Inland. Hier sind die Menschen dunkler, haben Dreads und essen „Rice and Beans“. Und wer, wie ich anfangs, jetzt denkt, das sei das gleiche wie „Reis und Bohnen“, was es im Rest des Landes sonst zu jeder Mahlzeit gibt, der liegt vollkommen falsch.

Unser Hammockhostel „Rocking J’s“ war das angesagteste Backpackers in der Umgebung und wir waren drei Tage lang von den unterschiedlichsten Leuten umgeben. Das ganze hatte ein wenig Festival-Feeling, denn die Atmosphäre war absolut entspannt, was an den zahlreichen Hinweisschildern, dass Drogen hier verboten waren und man für einen Joint zum Strand gehen sollte, liegen könnte.

Rocking J's Tisch im Rocking J's

Die Strände der Südkaribikküste sind übrigens genauso überwältigend schön, wie schon am Pazifik. Gleich am ersten Tag nach unserer Ankunft, liehen wir uns im Hostel Fahrräder für den Tag aus und fuhren mit Handtuch und Sonnencreme ausgerüstet nach Punta Uva, ein sechs Kilometer entfernter Strand und angeblich der schönste in der Region. Die Straße führt durch dicht bewachsenen Urwald zur rechten und vom Strand zur linken trennen nur ein paar Kokospalmen. Es sterben übrigens jährlich mehr Menschen an herabfallenden Kokosnüssen, als durch Haiangriffe. Nur ein random fact am Rande, aber man überlegt sich schon, wo man sich sein Plätzchen am Strand sucht…

Playa Punta Uva Blick vom Felsen

Am Morgen hatten wir schon die Stunden mit halbwegs erträglichen Temperaturen genutzt, um auf dem Wochenmarkt in Puerto Viejo lokale Delikatessen zu probieren. Dort gibt es alles vom selbst angebauten Kaffee, organischer Schokolade, Käse und frisch Gebackenem. Wir deckten uns mit jeder Menge Tropenfrüchten ein und zum Frühstück gab es gefüllte Teigtaschen und Lemon Pie am Strand.

Karibik!!

An Tag zwei hatten wir mit dem Wetter weniger Glück und den verregneten Vormittag verbrachten wir mit erstem und zweitem Frühstück bei einem Spaziergang zwischen Strand und Regenwald, bevor der Himmel gegen Mittag wieder mehr blau zeigte und zum Schwimmen am Surferstrand Playa de Cocles gleich bei unserem Hostel einlud.

Zweites Frühstück

Noch bezeichnender als Strand, Hostel und Fahrradtouren war für unsere Zeit an der Costa Ricanischen Karibikküste jedoch unbestritten die allabendlichen Sodabesuche und damit verbunden „Rice and Beans“. Wir verließen uns von Anfang an komplett auf die Restauranttips aus meinem Lonely Planet Reiseführer und sind uns über deren Wert einig. Eine kleine, etwas heruntergekommen wirkende Hütte an der Straßeneckehinter einer Art Bauzaun mit nichts weiter als ein paar Tischen und Plastikstühlen sollte nicht nur „Our Pick“ der Lonely Planet Autoren werden. Die, im Gegensatz zum Inland und der Pazifikküste nicht schwarzen, sondern roten Bohnen gemischt mit Reis und dazu entweder Rind, Steak oder Hühnchen im Soda Mirna sind einfach ein Traum! Einzig auf die hausgemachte Salsa abgefüllt in Wasserflaschen mussten wir aus Rücksicht auf unsere Geschmacksnerven verzichten, die sonst unverzüglich einen grausamen Tod durch nicht kompensierbare Schärfe erlitten hätten.

Bei Tag ist Puerto Viejo wirklich ein hübsches kleines Dorf mit kleinen Geschäften und einer angenehmen Stimmung. Nach Einbruch der Dunkelheit zeigt sich jedoch erst der vollständige Charakter der Stadt. Und der ist karibischer als alles bisher! Die Menschen sind auf ihren Fahrrädern unterwegs, an den Straßenecken wird gegrillt, in den Bars sitzen Leute jeden Alters und jeder Nationalität zur Straße hin, schlürfen Cocktails - und die Luft ist erfüllt von den Reggae-Klängen der Karibik und einem Hauch von Gras.

Es wird allerdings gerade in dieser Region Costa Ricas vor Diebstählen und Überfällen gewarnt, vor allem durch aggressive Junkies. Dass einem Gras angeboten wird, kommt zwar schon öfters mal vor, jedoch kam uns keine der Situationen besonders bedrohlich vor. Ein bisschen Aufmerksamkeit bezüglich seiner Umgebung und ein Auge auf die Taschen schaden sicher nicht.

Nach einem letzten Abendessen Rice and Beans mit Fleisch in Kokosnusssoße waren Max und ich uns einig, dass uns die Karibikküste Costa Ricas schon mal überzeugen konnte. Am nächsten Tag waren wir unterwegs nach Panama!

Ein bisschen costa-ricanischer Alltag

Dienstag, 28.08.2012

Das zweite Semester der Uni hat wieder angefangen und Laura musste die letzten zwei Wochen fast jeden Tag um fünf Uhr aufstehen, weil um sieben die Vorlesungen anfangen und der Berufsverkehr in San José unberechenbar ist. Zwangsläufig hat so auch für mich hier der Alltag begonnen. Auf das frühe Aufstehen verzichte ich allerdings ausnahmslos  und fahre stattdessen immer gemütlich nach dem Frühstück mit dem Bus an die Uni. Für die Zeit, in der Laura Vorlesungen hat (meistens nur vormittags), bin ich für einen Monat dem gimnasio (Fitnessstudio) der Uni beigetreten und verbringe so meine Vormittage. Eigentlich bin ich ja nicht so der Fan vom Gewichte-Stemmen, aber das muss ich zum Glück auch nicht. Jede Stunde gibt es eine „clase“ für alles Mögliche. Kickboxen, Latino-Tanz, Pilates, Konditionstraining und so weiter. Diese clases waren die letzten zwei Wochen fester Bestandteil meines Tagesablaufs.

Zum Mittagessen treffen Laura und ich uns dann immer und gehen entweder in die „oficina“ von ihrer Mama, die Sekretärin an der Uni ist und holen uns dort unser am Abend vorgekochtes Mittagessen ab oder wir essen mit ein paar Freunden in einer der gefühlt hundert Kantinen, die überall auf dem Unigelände verteilt sind. Reis mit Bohnen sind natürlich die Standardzutaten in jedem Essen.

Wenn Lau dann mal noch länger in der Bibliothek zu tun hat, fahre ich entweder mit dem Bus in die Innenstadt von San José, gehe dort in den Markthallen oder zwischen den Ständen auf Souvenirsuche oder setze mich mit einem Kaffee auf den „Plaza de la Cultura“. Das ist mein Lieblingsort in San José, was vor allem an dem ehrwürdigen Gebäude des „Teatro Nacional“ im Hintergrund liegt. Ansonsten dauert es eine Weile, bis man die schönen Seiten der Stadt zu würdigen weiß. Auf den ersten Blick ist nämlich die gesamte Fußgängerzone mit diversen Fastfoodkettenrestaurants zugebaut.

Wenn ich keine Lust auf den Trubel der Stadt habe, fahre ich auch mit Lauras Mama nach ihrer Arbeit zum Haus von Lauras Oma. Das ist so eine Art Versammlungsort der ganzen Familie, habe ich das Gefühl. Dort trifft man immer jede Menge Tanten, Onkels und Cousinen und zum Kaffee trinken. Lauras Schwester Daniela fährt auch jeden Tag nach der Schule dorthin, weil sie keine Lust hat, allein daheim zu warten. Das ist nur ein weiteres Beispiel für das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Familie, das mich immer noch so fasziniert.

Jeden Donnerstag hat Laura keine Vorlesungen und stattdessen arbeitet sie in einem Kindergarten und gibt den Kleinen Turnunterricht. Die letzten zwei Mal habe ich ihr geholfen, Rolle rückwärts, Handstand und Co. beizubringen. So viele neue Freunde wie dort habe ich noch nie auf einmal gefunden! Fast wurde ich sogar engagiert, Deutschunterricht für Dreijährige zu geben, allerdings müsste ich dafür noch ein paar Wochen länger hier sein. Naja, witzig wär‘s bestimmt gewesen!

Letzten Sonntag war hier in Cartago eine Laufveranstaltung mit Halbmarathon und 10km-Lauf. Wir waren zum Helfen eingeteilt und das bedeutete, dass wir um drei Uhr morgens aufstehen mussten, um pünktlich um vier Zelte aufzubauen und Obstkisten für die Läufer zu schleppen. Um sechs Uhr zu Sonnenaufgang haben die Läufe angefangen, da alles später viel zu heiß wäre. Ich hab mich überreden lassen, die 10km mit Migue, Lauras Freund, an ihrer Stelle zu laufen, da sie Knieprobleme hat und deshalb nicht konnte.

Migue y yo Vor dem Lauf Zum Glück haben wir den gleichen Namen :)

Freitag ist Calle-Tag, Laura hat Uni bis um sieben und danach gehen wir mit ein paar Freunden zu la Calle (die Partystraße vor der Uni). Dort ist eigentlich jeden Tag was los, aber vor allem freitags werden die ersten Bier schon um zwei bestellt. Letzten Sonntag hatte Laura Geburtstag und das haben wir schon freitags in der VIP Lounge von einer Bar dort angefangen zu feiern.

Amigos en Xcape Unifreunde von Lau Lau y Lau

Weiter ging es dann am Samstagabend, als wir in einen Club namens „Rumba“ gegangen sind. Getanzt wird dort zwar ausschließlich, allerdings kein Rumba. Stattdessen gibt es Salsa, Meringue, Cumbia und Reggaeton. Alkohol wird dort fast nicht getrunken, meistens reicht es nur für eine Cola oder irgendetwas gegen den Durst, bevor der nächste Tanz ansteht. Nach fünf Stunden auf der Tanzfläche war ich völlig am Ende aber so viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr beim Weggehen!

Am Sonntag gab es dafür dann nur ein ganz entspanntes Familienmittagessen im engsten Kreis von fünfzehn Leuten.

Ich muss sagen, dass mir die letzten zweieinhalb Wochen hier im „richtigen Leben“ ohne Strand und Meer genauso gut gefallen haben und ich alles vermissen werde. Nichtsdestotrotz freue ich mich jetzt erst mal umso mehr auf Max, der am Donnerstag hier ankommt und wir dann die letzten zweieinhalb Wochen zusammen damit verbringen werden, uns die schönsten Orte Costa Ricas anzuschauen.

Der nächste Eintrag dann also von unserem ersten Ziel: Puerto Viejo an der Karibikküste!

Jacó - Where you feel the vibes

Sonntag, 12.08.2012

Wer das echte Costa Rica sucht, der ist von Jacó sicher enttäuscht. Anstatt weißem, scheinbar unendlichen Sandstrand und unberührter Natur, findet man hier eine Bar neben der anderen und einen Strand mit schwarzem Sand, der zwar jede Menge Surfer anlockt, jedoch nicht zum Sonnenbaden einlädt. Ohne Surfbrett gibt das Meer an dieser Stelle auch eher wenig her. Ich hab’s natürlich probiert aber durch die starke Strömung zieht es einem ständig den Boden unter den Füßen weg und man ist damit beschäftigt, sich nicht zu weit hinaustreiben zu lassen.

Playa Jacó

Für die Zeit hier, musste also ein anderes Programm her als bisher. Nachdem wir unser Hostelzimmer bezogen, den Strand begutachtet, das Meer getestet und uns im Supermarkt mit Essen versorgt hatten, setzten wir uns mit einem Bier auf die kleine Terrasse des Backpackers. Wie das unter Backpackern so üblich ist, dauerte auch nur ein paar Minuten, bis wir Gesellschaft bekamen. Zwei Australier, die mit dem Auto aus Kalifornien durch Mexiko und Nicaragua nach Costa Rica gekommen waren, ein Reggae DJ aus San Francisco, ein Navy-Soldat aus Seattle, eine englische Studentin und drei Jamaikaner. Bei dieser Kombination ist es sicher leicht nachvollziehbar, dass viele Weisheiten ausgetauscht wurden und ich jetzt um die Kenntnis einiger Trinkspiele reicher bin.

Zu gegebener Stunde beschlossen wir dann, uns mit dem gesamten Pulk auf die Straße der Clubs und Bars zu begeben. Weit laufen mussten wir auch nicht, der Orange Pub, auf den unsere Wahl schließlich fiel, war die erste Bar, zehn Meter von unserem Hostel entfernt. Mit Flip Flops im Club und dem Aussie Akzent um uns herum, fühlten Laura und ich uns ein bisschen in die alten Zeiten nach Neuseeland zurückversetzt.

Adam y Lau Backpackers

Am nächsten Morgen merkte ich dann allerdings, dass man die klimatischen Bedingungen körperlich angeschlagen nicht so gut wegsteckt. Auf dem Weg zum Mittagessen hatte ich Schüttelfrost bei 35°. Das Fieber hielt zum Glück nur ungefähr eine Stunde an und als wir unsere Sachen packten, ging es auch schon wieder besser.

das letzte Mal auf den Bus warten Lau und ihr Backpack

Hier endete unser Pazifik-Trip nach einer Woche und das letzte Mal, dass wir auf den Bus warteten, war, um nach San José zurückzufahren, wo uns Lauras Freunde Migue und Fofo abholten. Nach einem Taco Imbiss zum Abendessen, fiel ich an diesem Abend um elf Uhr tot müde ins Bett.

Doch viel Schlaf war mir nicht gegönnt, am nächsten Morgen wurden wir um fünf geweckt. Der Plan: Rafting! Und zwar auf dem Río Pacuere, circa zwei Stunden von Cartago entfernt.

Rafting mit Lauras Familie Lista! Lau y Migue

Frühstück gab es auf dem Weg nach Turrialba, wo uns das Rafting-Team im Minivan abholte und zum Fluss brachte. Nach einer kurzen Einweisung in die Kommandos und Sicherheitsvorkehrungen ging es los. Vier Stunden waren wir auf dem Wasser und die Fahrt war abwechselnd recht entspannend, wenn die Strömung einen ohne große Anstrengung in die richtige Richtung lenkte, und spektakulär, wenn sich auf Kommando alle auf eine Seite des Boots werfen mussten, um im Strudel nicht umzukippen.

Ich lass jetzt einfach mal die Fotos sprechen…

Ins Wasser zu fallen wollte ich vor allem vermeiden, um nicht gegen einen der Felsen geschleudert zu werden, die überall aus dem Wasser ragten, meine Mama hatte glaube ich heimlich die größere Angst davor, dass ich von einem Krokodil gefressen werden könnte…

Bei dem ganzen Abenteuer darf ich nicht vergessen, zu erwähnen, durch welch unberührte Wildnis der Fluss verläuft. Wir sind an zahlreichen kleinen Wasserfällen vorbeigekommen und zwischen dem Dschungel am Flussufer wohnen noch einige Ureinwohner Costa Ricas in ihren selbstgebauten Hütten. An ein paar Stellen führt eine Art Seilbahn mit Holzsitz über den Fluss, damit sie ans andere Ufer gelangen können oder Sachen transportiern. Das war wirklich eine Erfahrung!

Zum Mittagessen gab es auf einer Flussinsel ein Burrito-Buffet, aufgebaut von den Guides auf einem umgedrehten Rafting Boot und am Ende des Tages fiel ich zwar wieder genauso müde ins Bett, wie schon am Abend zuvor doch ich konnte mit Sicherheit sagen: Das Aufstehen hatte sich definitiv gelohnt!

Manuel Antonio – Sushi auf Costa-Ricanisch

Freitag, 10.08.2012

Nach unserem Schlusssprint von den Nauyaca Wasserfällen zurück zum Hostel mussten wir natürlich doch wieder auf den Bus nach warten. Doch die Fahrt an die Küstenstadt Quepos war dieses Mal glücklicherweise mit weniger Aufregung verbunden als meine letzte Erfahrung mit costa-ricanischen Öffentlichen. Von Quepos  aus fuhren wir noch ungefähr zehn Minuten eine Straße Richtung Strand entlang, die auf beiden Seiten dicht bebaut mit diversen Backpackers, Hostels und Hotels war. Das Gegenteil von unserer letzten Unterkunft also. Manuel Antonio Backpackers, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen würden, war eines von hundert Hostels für Günstig-Reisende und lag auf halbem Weg zum Nationalpark Manuel Antonio.

Manuel Antonio Backpackers

In den eigentlichen Parque Nacionál ging es jedoch erst am nächsten Tag, für heute waren wir zu kaputt für weitere längere Märsche. Stattdessen machten wir den nächsten Supermarkt ausfindig, weil wir beschlossen hatten, ab jetzt öfters selbst für unser comida zu sorgen. Da wir jedoch beide verwöhnte Kinder sind und Kochen daher nicht unbedingt zu unseren Stärken zählt, hielten wir uns bei der Nahrungsmittelauswahl streng an die Illustration auf der Wrap-Verpackung. Am Ende kam jedoch tatsächlich Lob von allen Seiten der Backpacker-Küche.

Lau cocinando Comida!!

Doch damit nicht genug, von diesem Erfolg ermutigt, wagten wir uns sogar noch an ein Lunch für den nächsten Tag am Strand. Thunfisch-Nudelsalat und Nachos. Ja, ich muss zugeben, wir waren relativ stolz auf unseren tollen backpackergerechten Ernährungsplan, doch die Vorfreude hielt genau bis kurz vor Lunchtime am Tag darauf an.

Playa Manuel Antonio

Wir genossen die Sonne und das Meer in einer – mal wieder – unglaublich traumhaften Ambiente, nichts ahnend davon, was sich zur gleichen Zeit hinter uns im Schatten der Palmen abspielte. Als Laura aus dem Wasser gerannt kam, war es zu spät. Ein Waschbär hatte sich bereits an unseren Nachos vergriffen und sie mit sich ins Gebüsch geschleppt, wo er genüsslich unser Mittagessen verspeiste. Doch damit nicht genug, er schien auf den Geschmack gekommen zu sein und auch die dreifache Verpackung hinderte ihn nicht daran, sich auch noch über unseren mit viel Liebe zubereiteten Nudelsalat herzumachen. Das war’s dann mit unserem Lunch - ich nehm‘s mal als Kompliment an unsere Kochkünste…

Mit knurrendem Magen tat es allerdings zugegebenermaßen gut, zu sehen, dass wir nicht die einzigen Geschädigten am Strand waren. Nicht nur die Waschbären, auch die kleinen Totenkopfäffchen können zwar noch so süß sein, sie klauen aber auch alles, was sie in die Finger bekommen können – vorzugsweise Essen. Sie sind übrigens inzwischen ziemlich selten und der Strand von Manuel Antonio ist einer der wenigen Orte, wo sie noch wild leben.

Totenkopfäffchen mit Trinkjogurt Lau y Lau

Nach einem Strandspaziergang zurück aus der unberührten Natur zur von amerikanischen Touristen bevölkerten Straße, waren wir eben wieder gezwungen, uns was zu essen zu kaufen. Laura überzeugte mich nach anfänglicher Skepsis meinerseits davon, dass man hier nicht am Strand gewesen sein konnte, ohne einen so genannten „Ceviche“ zu essen. Das ist roher Fisch, für einige Zeit in ein Gemisch aus Zitrone und Öl eingelegt, daher die Skepsis. Es war aber wirklich nicht schlecht!

Seviche

Abends im Backpackers wollten wir eigentlich duschen, doch plötzlich kam aufgrund eines Gewitters kein Wasser mehr aus dem Hahn – natürlich bevor wir das Shampoo aus den Haaren waschen konnten. Vom Himmel kam dafür mal wieder umso mehr.

Am nächsten Morgen nach einem Pancake-Frühstück ging unsere Reise dann weiter. Erst wieder zurück nach Quepos und schließlich zur letzten Station an der Pazifikküste: Der Surferstrand Jacó.

Dominical - Walfischstrände und Wasserfälle

Mittwoch, 08.08.2012

Dass Costa Rica ein vielfältiges Land mit einer überwältigenden Natur ist, davon hatte ich schon gehört, aber wie traumhaft es in Realität tatsächlich ist, kann ich mir trotzdem erst jetzt vorstellen, wo ich es selbst gesehen habe.

Am Montag sind Laura und ich von San José aus auf unseren Backpacker Trip gestartet und die erste Station hieß Dominical. Der Weg dorthin war das erste Abenteuer unserer Reise und ehrlich gesagt weiß ich immer noch nicht so genau, wie wir tatsächlich heil dort angekommen sind. Nicht nur, dass sich unser Busfahrer seinen Fahrstil in der Formel 1 abgeguckt hat, ungeachtet seines doch recht  betagten Gefährts, die Fahrt auf Serpentinenstraßen führte außerdem im Wechsel durch tropisch warme Dörfer und eisigen Hochgebirgsnebel. Nach drei Stunden war ich nicht die einzige, die vorsichtshalber die Plastiktüte bereithielt. Als der Busfahrer dann plötzlich auf einer von beiden Seiten dicht bewachsenen Straße mitten im Nirgendwo anhielt und uns bei strömendem Regen erklärte, dass wir hier raus müssten, waren wir zuerst nicht vollkommen überzeugt. Gestimmt hat es schlussendlich glücklicherweise doch, unser Hostel war nur eine Eco Lodge, was die einsame Lage im tropischen Wald erklärt.

Regen und Gewitter gibt es hier übrigens jeden Tag, immer irgendwann gegen späten Nachmittag und das ist dann jedes Mal kurz so, als ob die Welt jeden Moment untergeht. Kälter wird es aber deswegen trotzdem keineswegs, eher im Gegenteil. Nach einem solchen Regenschauer ist die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass man danach gleich mit Klamotten duschen gehen kann. Deshalb haben wir uns, nachdem wir unseren kleinen Bungalow bezogen haben lieber gleich in den Pool begeben und dort abgewartet bis es vorbei war.  Zum Abendessen gab es Quesadillas con Pollo (mit Hünchen und Käse gefüllte Teigtaschen) und sogar einen Willkommenscocktail vom Hostel.

Am nächsten Morgen ging es dann gleich nach dem traditionellen Frühstück im Hostel los in den Parque Nacional Marino Ballena.

Das Besondere an diesem Strand ist, dass eine Landzunge in Form einer Walfischflosse ins Meer ragt. Nach einem zwanzigminütigen Strandspaziergang waren wir am  Knick der Flosse baden. Eine Abkühlung ist der Pazifik an dieser Stelle leider nicht, die Sonne heizt einfach alles auf angenehme Badewannentemperatur auf.

Mit dem Bus ging es zurück zum eigentlichen Strand von Dominical, wo wir grade noch so einen Gang an zahlreichen Restaurants und einheimischen Schmuckgeschäften vorbei ans Wasser geschafft haben, bevor sich der Himmel mal wieder öffnete und für mittelgroße Planschbecken auf dem Weg sorgte. Wir haben uns in einem Soda (kleines und günstiges Restaurant) etwas zu essen bestellt und sind dann wieder mit dem Bus zur Lodge zurück.

Am nächsten Tag war auch schon wieder Abreise angesagt – aber erst um zwölf Uhr. Davor mussten wir auf jeden Fall noch die berüchtigten Nauyaca Wasserfälle gesehen haben, das hatten wir uns in den Kopf gesetzt.

Der Weg dorthin war jedoch unbefahrbar und so wurden normalerweise Besuchergruppen auf Pferden dorthin transportiert. Da weder Laura noch ich uns jedoch vorstellen wollten, sechs Kilometer unebenen Weges auf einem Pferderücken zu verbringen, beschlossen wir die insgesamt zwölf Kilometer zu Fuß auf uns zu nehmen. Hochmotiviert starteten wir um sieben Uhr und nach eineinhalb Stunden Waldmarsch mit abwechselnd 45% Steigung und Gefälle, ein Kilometer barfuß im knöcheltiefen Schlamm bei 36°C und 100% Luftfeuchtigkeit waren wir komplett nassgeschwitzt und dreckig und kaputt.

Doch beim Blick auf die riesigen Wasserfälle waren wir uns einig: Es hatte sich gelohnt. Einzigartig! Eine ganze Stunde hatten wir, um das kühle Wasser zu genießen und von den Klippen zu springen bevor wir uns wieder auf den sechs Kilometer langen Heimweg machen mussten, dieses Mal in einer Stunde fünfzehn, da der Bus nicht wartet, wenn er mal pünktlich ist. Gegen Ende waren wir kurz vor dem Umkippen und für eine Dusche blieb leider auch keine Zeit – das nächste Mal vielleicht doch lieber auf Pferden…

An der Küste ging es weiter nach Norden zur zweiten Station Manuel Antonio, doch dazu nächstes Mal.

Erste Woche tan lejos

Montag, 06.08.2012

Mae, suave! Das ist wohl der Ausdruck, der das Leben in Costa Rica am besten beschreibt. Es bedeutet so viel wie: Nur kein Stress, Bro! Dabei  ist es nicht nur so, dass man diese beiden Worte im Gespräch beliebig oft einwerfen kann, sie machen auch beinahe die gesamte Lebenseinstellung der Ticos aus: Man sollte für alles genug Zeit einplanen, um das Leben in vollen Zügen genießen zu können und Pünktlichkeit wird sowieso überbewertet. Dabei kann es dann schon mal passieren, dass man ein Stündchen auf seine Verabredung wartet und Busfahrpläne machen selbstverständlich auch keinen Sinn.

Nach zwei Stunden Verspätung bin ich letzten Montag um 7.00 Uhr früh in San José gelandet, wo mich meine Freundin Laura und ihre Familie schon erwartet haben. Aufgrund zwei verschlafener Mahlzeiten im Flugzeug, war Frühstück erst mal das schönste Wort in meinen Ohren.  Mit dem desayuno costaricenso begann aber gleich mal die kulturelle Umstellung. Statt Müsli oder Toast gibt es hier traditionell Reis mit schwarzen Bohnen und dazu jede Menge frittierte Sachen. Dafür scheinen die hier so einen Hang zu haben, zum Frittieren. Würstchen, Käse, Bananen… was frittiert wird, spielt eigentlich keine Rolle.

Markthalle in Cartago

Nach einer Woche hier kann ich sagen, dass so ziemlich alles, was hier gegessen wird gut schmeckt und mir wurde auch schon versichert, dass ich mit Platanos (Kochbananen) in jeder Variation und Gallo Pinto (Reis mit Bohnen) in der costa-ricanischen Gesellschaft voll akzeptiert wäre.  Ums Essen dreht sich hier sowieso ziemlich viel und das gemeinsame Essen ist der Mittelpunkt von jedem Familienfest. Und wenn ich hier bis jetzt irgendetwas erlebt habe, sind es Familienfeste. Als erstes war die Willkommensparty von einem Onkel aus Argentinien, dann der sechste Geburtstag von einem Cousin und dann der von einem seit zwei Jahren toten Opa. Jeder Grund ist gut genug, dass die gesamte Familie zusammen kommt und feiert. Und wenn ich gesamte Familie sage, dann ist das auch so gemeint. Circa zwanzig bis  dreißig Leute quetschen sich dann in ein kleines Wohnzimmer, jeder unterhält sich mit jedem – und das am besten gleichzeitig. Von den hundert Namen diverser Onkels, Tanten, Omas und Cousins, die ich in der letzten Woche vorgestellt bekommen habe, weiß ich zwar nur noch einen Bruchteil, kann aber sagen, dass alle super sympathisch sind und Rücksicht auf meine kleinen Konversationsschwierigkeiten nehmen. 

Die werden übrigens auch immer weniger, die Schwierigkeiten beim Spanisch Sprechen. Im Smalltalk bin ich inzwischen dank der Riesenfamilie fit und auch sonst verstehe ich jeden Tag ein bisschen mehr. Filme bekomme ich auch schon hin und jetzt probiere ich es mal mit einem spanischen Buch. Ok, es ist zwar nur Harry Potter, was jetzt vielleicht nicht so eine Riesenherausforderung ist, da ich das Buch sowieso halb auswendig kann, aber trotzdem!

Insgesamt ist Costa Rica ein sehr religiöses Land, wie die meisten in Zentralamerika. Am zweiten August war hier ein Feiertag für die Jungfrau Maria, deren Statue aufgrund einer Legende von der Basilika in Cartago (wo Lauras Familie wohnt) in eine andere Kirche getragen wird. Das bedeutet eine Massenpilgerwanderung, ein riesiger Umzug mit allem Drum und Dran und noch mehr fiesta am Abend. Das Essen war mal wieder das wichtigste daran, dieses Mal gab es Churros (frittierte! Teigstangen) mit Karamellfüllung. Buen aproveche!

Basilika de Cartago Pilger-Parade

Eine Sache, die hier noch unabdingbar ist, ist die música latina. Meine erste Tanzstunde Salsa, Meringue und Co hab ich schon hinter mir. Ich hab mich zwar gefühlt wie ein Roboter inmitten all der hüftschwingenden Latinos aber Spaß gemacht hat’s trotzdem. Das tolle ist bei den Tänzen, dass sie sich nicht auf die Räume der Tanzschule beschränken, sondern auch beim Weggehen ihre Anwendung finden.  Das Nachtleben hab ich am Freitag in „der Calle“ erlebt. Das ist die Straße vor der Universität, wo die ganzen Studenten nach Vorlesungsende hin gehen, entweder nur ein Bier trinken oder feiern und tanzen.

Erstes Costa-Ricanisches Bier

Doch noch hochgelobter als das Stadtleben in Costa Rica ist die unglaubliche Naturvielfalt, mit ihren Traumstränden, Vulkanen und Regenwäldern. – Das sagt zumindest mein Reiseführer. Mal schauen ob der Recht hat. Im Moment sitze ich mit Laura an der Busstation und warte auf den Bus nach Dominical, was die erste Station unseres Pazifiktrips ist. Dazu mehr, wenn wir dort sind und das Strandleben genießen!